"Das junge Unternehmen antibodies-online GmbH aus Aachen beliefert Kliniken mit Antikörpern." - FAZ porträtiert die antibodies-online GmbH

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Über den Internetmarktplatz - 2006 als Spin-off der RWTH Aachen gegründet - sind über eine Million Antikörper und verwandte Produkte von 150 Anbietern verfügbar. Neben etablierten Herstellern wie Becton Dickinson aus den Vereinigten Staaten bieten auch einzelne Wissenschaftler und kleine Forschungsgruppen selbstentwickelte Antikörper an. Produziert werden sie, indem Hasen, Mäusen oder Kaninchen Erreger gespritzt werden. In der Folge bilden sich Antikörper, die dann aus dem Blut der Tiere extrahiert werden.


Die Herausforderung für die Forscher bestehe in der Wahl des richtigen Antikörpers für ihr Experiment, berichtet der 37 Jahre alte Kessell, Mitgründer und Geschäftsführer von Antibodies-Online. "Das ist so, als wenn jemand vor der Wohnungstür steht und unter 1 Million Schlüsseln den passenden finden muss." Der Markt sei sehr intransparent, die Produktbezeichnungen äußerst heterogen. Mit seiner Internet-Plattform antikoerper-online will das junge Unternehmen die Suche nach dem geeigneten Antikörper erleichtern.

In den Büroräumen im Dachgeschoss von Schloss Rahe in Aachen-Laurensberg arbeitet ein junges Team aus 60 Biologen, Softwareentwicklern, Mathematikern und Online-Marketingexperten daran, die Produktangaben zu standardisieren, Testberichte einzuflechten und spezielle Suchfunktionen zu entwickeln. Wie auch bei anderen Internetanbietern geht es zudem darum, die eigenen Produkte bei den Suchmaschinen weit vorne zu plazieren. "Wir wenden die Prinzipien des Online-Handels auf medizinische Produkte an", sagt der zweite geschäftsführende Mitinhaber Tim Hiddemann, der seine Diplomarbeit einst bei der Büchersuchmaschine Justbooks.de geschrieben hat. Antibodies-Online nennt der Achtunddreißigjährige "ein klassisches E-Commerce-Unternehmen mit einem komplexen Produkt.

Über den Internetmarktplatz - 2006 als Spin-off der RWTH Aachen gegründet - sind rund 800 000 Antikörper und verwandte Produkte von 150 Anbietern verfügbar. Neben etablierten Herstellern wie Becton Dickinson aus den Vereinigten Staaten bieten auch einzelne Wissenschaftler und kleine Forschergruppen selbstentwickelte Antikörper an. Produziert werden sie, indem Hasen, Mäusen oder Kaninchen Erreger gespritzt werden. In der Folge bilden sich Antikörper, die dann aus dem Blut der Tiere extrahiert werden.

Im Laufe der Jahre habe sich antibodies-online einen Namen erarbeitet, sagt Hiddemann: "Wir werden zunehmend von den großen Spielern wahrgenommen." Zu den Kunden zählen unter anderen die Harvard University, das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Charité sowie die Pharmakonzerne Bayer, Pfizer und Novartis. Verschickt werden die Substanzen vom Aachener Firmensitz oder über das Versandzentrum in Atlanta, ein Teil geht direkt vom Hersteller zum Kunden. Auch alle - oftmals recht komplizierten - Formalitäten mit dem Zoll werden dabei erledigt, wie Kessell berichtet. Die meisten Bestellungen kommen aus den Vereinigten Staaten, gefolgt von Europa. Aber auch aus China gehen vermehrt Aufträge von Universitäten ein. Im vergangenen Jahr wurde daher ein Büro in Schanghai eröffnet.

Gegenüber ihren Wettbewerbern - etwa den weitaus größeren Händlern Abcam (Großbritannien) und Santa Cruz Biotechnology (Vereinigte Staaten) sowie den deutschen Anbietern Biomol und Biozol - wollen die Aachener mit einer hohen Anzahl an Produkten, einer großen geographischen Reichweite und der Verarbeitung vieler Testberichte punkten. Zu ihren Geschäftszahlen geben sich die beiden Chefs recht zugeknöpft. Das Ergebnis werde 2014 nach einem Verlust im Vorjahr ausgeglichen sein - mehr ist ihnen dazu nicht zu entlocken.

Kennengelernt haben sich die Diplom-Kaufleute während ihrer Promotion an der RWTH Aachen. Kessell hatte nach dem Studium an der WHU beim Softwareanbieter Net AG gearbeitet, Hiddemann ging nach dem Abschluss an der Universität Bayreuth zunächst als Berater für IT-Projekte zu McKinsey. An der RWTH kamen sie in Kontakt mit Peter Mertens. Der Oberarzt des Aachener Klinikums hatte jahrelang Antikörper entwickelt und wollte sie nun vertreiben. Daraus entstand die Idee, eine Handelsplattform aufzubauen. Mit ins Boot stiegen auch BWL-Professor Malte Brettel und Florian Heinemann, den Kessell noch aus der Studienzeit an der WHU kannte. Heinemann ist heute Geschäftsführer der Berliner Start-up-Schmiede Project A Ventures und war zuvor bei Rocket Internet, dem Internet-Inkubator der Samwer-Brüder, am Aufbau von Zalando beteiligt.

Zu fünft - Kessell, Hiddemann, Mertens, Brettel und Heinemann - hoben sie im Oktober 2006 Antibodies-Online aus der Taufe. Das Kapital steuerten anfangs mehrere Business Angels, darunter Oliver Samwer, bei. 2008 stieg die Beteiligungsgesellschaft S-UBG ein, hinter der mehrere Sparkassen aus der Aachener Region stehen. An einer weiteren Finanzierungsrunde 2012 beteiligte sich die S-UBG abermals, dazu kam außerdem die KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau. Mittlerweile halten die fünf Gründer noch etwas mehr als die Hälfte der Anteile. Die Geschäftsführer Kessell und Hiddemann, die zusammen auf knapp 35 Prozent kommen, sehen noch große Wachstumschancen für ihr Geschäft. "Der Markt ist so spannend, wir haben noch viele Ideen."

Quelle: Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung , 31. März 2014, Seite 21, Autorin: Christine Scharrenbroch