Mit Enten-Antikörpern Kreuzreaktivitäten vermeiden

Für IVD-Anwendungen werden zumeist Säugetierantikörper verwendet. Allerdings treten bei diesen Antikörpern Kreuzreaktionen mit Fc-Rezeptoren auf, die fast auf jeder Zelle des Immunsystems vorliegen. Bei der diagnostischen Anwendung von z.B. kann es zusätzlich passieren, daß sie unspezifisch von menschlichen Anti-Maus-Antikörpern oder rheumatoiden Faktoren gebunden werden. Diese Interferenzen können dazu führen, daß der Patient zusätzliche diagnostische Tests durchlaufen muß oder gar eine Falschdiagnose erhält.

Ein Antikörper, der Kreuzreaktionen durch die Fc-Domäne vermeiden kann, hat einen großen Vorteil.


IgY ist das funktionale Äquivalent und evolutionärer Vorläufer des Immunoglobin G (IgG) von Säugetieren. Es gibt dieses Protein in Vögeln, Reptilien und Amphibien. In kommt zusätzlich noch eine verkürzte Version des IgY-Proteins vor, dem die Fc-Domäne fehlt: IgY(ΔFc). Trotz ihres großen Potentials ist die Nutzung von IgY-Antikörper bislang nicht weit verbreitet, obwohl ein Ei ein einzigartiger Bioreaktor für die Erzeugung von Antikörpern ist und zudem diese Art der Gewinnung einfacher und tierfreundlicher ist, als die aus Säugerserum. Wenn Enten mit einem Antigen immunisiert werden, wird der so entstandene Antikörper auch an das Eigelb weitergegeben. Der Grund für die seltene Verwendung von IgY-Antikörpern sind die Schwierigkeiten bei ihrer Isolation aus dem Eigelb. Nun wurde allerdings eine Methode für die Isolation von Antikörpern aus Enteneigelb entwickelt. Ein Verfahren mit Delipidisierung, Aussalzen, Entsalzen und Konzentrierung gewinnt den Hauptteil der IgY(ΔFc)-Antikörper mit einer Reinheit von 95 %. Diese Art der Produktion ist sehr kosteneffektiv, da eine erwachsene Ente etwa 250 Eier im Jahr legt, von deren Eigelb je 75-120 mg Antikörper isoliert werden können.

In Untersuchungen zeigten die isolierten IgY(ΔFc) eine stärkere Affinität zu Säugetieralbumin als der entsprechende Kaninchenantikörper. Diese hohe Erkennungs- und Bindespezifität könnte an den phylogenetischen Unterschieden zwischen den Proteinen von Vögeln und Säugetieren liegen, der natürlich größer ist, als der von Säugetier zu Säugetier. Diese Eigenschaft macht die Vogelantikörper besonders geeignet für den Gebrauch in immunologischen Untersuchungen an Säugetierspezies. Weitere Tests zeigten, daß sowohl Kaninchen-IgG, Ziegen-IgG und Enten-IgY(ΔFc) stabil bleiben, wenn sie 4 h lang in pH-Werten von 3,5 bis 9 inkubiert wurden. Bei pH-Werten unter 3,5 oder über 10 verloren alle Antikörper nach und nach die Fähigkeit, Antigen-Antikörperkomplexe zu bilden. Unter extremen pH-Bedingungen war Kaninchen-IgG am stabilsten und Ziegen-IgG am labilsten. Beim Thermostabilitätstest (80-tägige Lagerung bei 40°C) schnitten alle 3 Antikörper ähnlich ab. Es gab keine Anzeichen für eine Kreuzreaktivität zwischen Enten-IgY(ΔFc) und Säugetierantikörpern. Ein LIT-Test (Latex-enhanced Immunoturbidimetric Test) deutet daraufhin, daß IgY(ΔFc) für IVD-Anwendungen geeignet ist.

IgY(ΔFc) könnte sowohl eine Option für die Forschung, die Diagnose als auch für modernste biotechnologische Hilfsmittel (z.B. Antikörperchips) sein. Die Schlüsseleigenschaft von Entenantikörpern, nämlich das Fehlen der Fc-Domäne und die damit verbundene geringe Interferenz und Kreuzreaktivität bei Säugetieren, machen diese Antikörper besonders geeignet für den Einsatz in immunologischen Untersuchungen an Säugern, insbesondere den medizinischen Einsatz in der Diagnostik beim Menschen.

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