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"Was bringen validierte Antikörper" - Interview mit antikoerper-online.de in "Laborpraxis"

Independent Validation
In seiner aktuellen Ausgabe interviewt Laborpraxis den Mitgründer von antikoerper-online.de, Dr. Andreas Kessell, zu den Themen Reproduzierbarkeit und Validierung in wissenschaftlichen Experimenten. "Das Unternehmen antikoerper-online.de engagiert sich nun in einer Independent Validation Initiative. Warum beantwortet Dr. Andreas Kessell im Interview. Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus.
LP: Reproduzierbarkeit und Validierung in wissenschaftlichen Experimenten: Nature, the Economist und der Spiegel berichten darüber. Warum gerade jetzt?

Dr. Andreas Kessell: Eigentlich müsste Ihre Frage lauten: Warum erst jetzt? Berichtet wird über Fehlschläge schon seit 2011. So berichteten Wissenschaftler von Bayer Health Care 2011, dass zwei Drittel ihrer Studien nicht reproduzierbar waren. Auch Amgen machte ähnliche Erfahrungen. Laut einem Artikel in Nature von 2012 gelang es Wissenschaftlern von Amgen bei 47 von 53 Studien nicht, sie zu reproduzieren. Das heißt, dass 91 % falsch waren. Vermutlich war es die Reproducibility Initiative von Science Exchange, die wir auch unterstützen, und die jetzt oft genug die Finger in die Wunde gelegt hat. Auf die Kommunikation der Initiative erfolgte ein großes Medienecho und so hat das Thema jetzt auch die führenden Köpfe in den USA erreicht. Dr. Francis Collins, Direktor des National Institutes of Health äußerte sich in Nature und Ende Januar trafen sich die Chefredakteure von Nature und Science unter der Leitung der Wirtschaftsministerin Penny Pritzker mit dem wissenschaftlichen Beirat PCAST im Weißen Haus, um über das Thema Reproducibility zu sprechen. Und vielleicht noch wichtiger: Nachdem lange problematisiert wurde, kommen jetzt die ersten Lösungsansätze auf den Markt.

LP: Gibt es denn schon Regeln für reproduzierbare Experimente? Anzeige

Kessell: Ja, das ist Teil der Lösungen, von denen ich gerade sprach. Zum Beispiel testet die Resource Identification Initiative, die von uns unterstützt wird, gerade Benennungsregeln für Forschungsmaterialien. So setzt sich die Initiative für die Verwendung von eindeutigen Identifikationsnummern für Forschungsmaterialien ein. Dies erleichtert Forschern bei der Wiederholung von Studien die Identifikation der verwendeten Materialien. Entscheidend ist natürlich, dass im methodischen Teil der Wissenschaftsjournale überhaupt die verwendeten Forschungsmaterialien detailliert aufgeführt werden. Hier hat es nun im letzten Jahr eine große Änderung gegeben. So hat das Wissenschaftsjournal Nature im Mai 2013 die redaktionellen Vorgaben für die Annahme von Artikeln verschärft: Autoren müssen die entscheidenden methodischen Details aufführen und der methodische Teil bekommt mehr Platz in den veröffentlichten Studien. Die statistischen Daten sollen zudem genauer untersucht und die verwendeten Rohdaten benannt werden. Mittlerweile haben weitere Wissenschaftsjournale nachgezogen. Ein wichtiger Faktor bei Forschungen, die reproduziert werden sollen, ist die Qualität der verwendeten Forschungsmaterialien. In Bezug auf Antikörper haben wir im Rahmen der Independent Validation Initiative standardisierte Protokolle für verschiedene Anwendungen entwickelt, bei der Antikörper unabhängig validiert werden können. Das ist ein wichtiger Lösungsansatz, weil in der Frage, ob ein Nachweisverfahren funktioniert hat oder nicht, ein wichtiges Element der Reproduzierbarkeit liegt.

LP: Sie bieten die unabhängige Validierung von Antikörpern für die Forschung an. Was bedeutet das?

Kessell: Um zu demonstrieren, dass kommerzielle Antikörper oder ELISA-Kits unter den beworbenen Bedingungen funktionieren, haben wir zusammen mit dem kalifornischen Unternehmen Science Exchange letztes Jahr ein Programm zur unabhängigen Validierung tausender kommerzieller Antikörper gestartet, die so genannte Independent Validation Initiative. In den unabhängigen Laboren der 1400 Forschungseinrichtungen im Netzwerk von Science Exchange werden die zu validierenden Produkte nach Standardprotokollen unter Berücksichtigung der Herstellerempfehlungen getestet. Das entsprechende Validierungsprotokoll ist nach erfolgreicher Validierung eines Produktes auf der antikoerper-online.de-Homepage abrufbar.

LP: Machen solche Regeln das Arbeiten des einzelnen Wissenschaftlers schwieriger? LP: Wie sehen Sie die Zukunft solcher Programme wie der Reproducibility Initiative?

Kessell: Das Thema Reproducibility ist sehr komplex. Aspekte wie Transparenz im methodischen Teil von publizierten Studien, die Validierung der in Studien verwendeten Antikörper und die Verwendung von Identifikationsnummern sind nur Teilaspekte des gesamten Spektrums. Hier muss noch viel getan werden. Und wie wir bei uns sehen, es geht voran, aber es braucht auch seine Zeit: So haben wir seit Start der Initiative im Juli 2013 bis zum Januar 2014 20 Antikörper validiert, und jetzt haben wir schon im Monat Februar doppelt so viele geschafft. Aktuell sind 250 Antikörper in der Validierungsphase. Die größte Herausforderung lag hier – man glaubt es kaum – in der Logistik zwischen Herstellern und Validierungslaboren. Aber hier sind wir Spezialist und können auch für deutlich höhere Stückzahlen Validierungen durchführen.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Kessell
Quelle: Laborpraxis