Während immunonkologische Innovationen die Krebsbehandlung verändern, haben Zelltherapien aufgrund ihrer hohen klinischen Remissionsrate bei hämatologischen Krebserkrankungen große Aufmerksamkeit erlangt. Seit 2018 haben Zelltherapien mehr Remissionen erzielt als Krebsimpfstoffe, wobei Therapien mit chimären Antigenrezeptor-T-Zellen (CAR-T) das globale Rennen in der Entwicklung von Zelltherapien anführen. Mit der rasanten Entwicklung der vergangenen zehn Jahre hat sich die CAR-T-Immuntherapie zu einem wichtigen Feld entwickelt, in dem kommerzielle Organisationen intensiv konkurrieren und Hochschulen sowie Industrie eng zusammenarbeiten.1
Die Therapie mit chimären Antigenrezeptor (CAR)-T-Zellen stellt einen bedeutenden Fortschritt in der personalisierten Krebsbehandlung dar. Bei dieser Strategie werden die patienteneigenen T-Zellen genetisch so verändert, dass sie einen synthetischen Rezeptor exprimieren, der an ein Tumorantigen bindet. Die CAR-T-Zellen werden anschließend für den klinischen Einsatz expandiert und dem Patienten zurückinfundiert, um chemotherapieresistente Krebszellen anzugreifen und zu zerstören.2 Die CAR-T-Zelltherapie nutzt die Kraft des körpereigenen Immunsystems, indem sie genetisch veränderte T-Zellen über zielgerichtete Liganden mit den Oberflächenantigenen von Tumorzellen verbindet. Klinische Studien haben überzeugende Gesamtansprech- und Überlebensraten bei Patienten mit B-Zell-Malignomen gezeigt.3
Neue Entwicklungen in der CAR-T-Immuntherapie: in vivo erzeugte CAR-T-Zellen
In jüngster Zeit wurden neue in vivo-CAR-T-Ansätze beschrieben. Dabei werden CAR-kodierende Konstrukte systemisch mithilfe viraler oder nicht-viraler Vektoren verabreicht, um endogene T-Zellen direkt im Körper zu funktionellen CAR-T-Effektorzellen umzuprogrammieren. Dieses Konzept gewinnt an Bedeutung, da es zentrale Einschränkungen der konventionellen CAR-T-Therapie adressieren könnte, wie individualisierte Herstellung, lange Produktionszeiten und eingeschränkte Verfügbarkeit. In ihren Veröffentlichungen von 2026 beschreiben Wang et al. und Gao et al. die in vivo-CAR-T-Generierung als eine aufkommende Strategie, die Plattformen wie lentivirale Vektoren, virusähnliche Partikel, adeno-assoziierte Vektoren und Lipidnanopartikel nutzt.4,5 Ein erster klinischer Machbarkeitsnachweis wurde 2026 von Aalipour et al. in Nature Medicine berichtet.6 In dieser Phase-1-Studie wurde ein anti-BCMA-CAR in vivo nach intravenöser Gabe eines lentiviralen Vektors bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom erzeugt. Die Ergebnisse zeigen, dass die direkte Generierung funktioneller CAR-T-Zellen beim Menschen möglich ist und starke antitumorale Effekte hervorrufen kann.4
Die potenziellen Vorteile von in vivo-CAR-T liegen vor allem in praktischen und translationalen Aspekten. Durch den Wegfall von Leukapherese, ex vivo-Zellmanipulation und zentralisierter Herstellung könnte diese Strategie die Zeit bis zur Behandlung verkürzen und die Logistik vereinfachen. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen, darunter die gezielte Lieferung an T-Zellen, die Vermeidung von Off-Target-Effekten, die Kontrolle der CAR-Expression sowie Sicherheitsaspekte der Vektoren. Insgesamt sollte die in vivo-CAR-T-Technologie derzeit als Weiterentwicklung der bestehenden Ansätze betrachtet werden.
CAR-T-Immuntherapie: Die wichtigsten CAR-T-Zielstrukturen
Nach Daten des US-Patent- und Markenamts (USPTO) ist die Zahl der CAR-T-bezogenen Patente in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Die USA und China führen diese Entwicklung an, gefolgt von europäischen Ländern. CD19 ist mit Abstand das am häufigsten untersuchte Ziel, gefolgt von BCMA, CD20, Mesothelin sowie PD-1/PD-L1.
Fig. 1: Top-20 targets in CAR-T Patienten1
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Lyu, Feng, Chen, Hu: "The global chimeric antigen receptor T (CAR-T) cell therapy patent landscape." in: Nature biotechnology, Vol. 38, Issue 12, pp. 1387-1394, (2021) (PubMed).
Feins, Kong, Williams, Milone, Fraietta: "An introduction to chimeric antigen receptor (CAR) T-cell immunotherapy for human cancer." in: American journal of hematology, Vol. 94, Issue S1, pp. S3-S9, (2020) (PubMed).
Lamprecht, Dansereau: "CAR T-Cell Therapy: Update on the State of the Science." in: Clinical journal of oncology nursing, Vol. 23, Issue 2, pp. 6-12, (2020) (PubMed).
Wang, Yu, Caligiuri, Ma: "Optimizing In Vivo CAR-T Cell Engineering for Cancer Immunotherapy." in: Cancer research, (2026) (PubMed).
Gao, Hu, An, Wen, Li: "In vivo engineering of CAR-T cells: delivery strategies and clinical translation." in: Biomarker research, Vol. 14, Issue 1, pp. 23, (2026) (PubMed).
Aalipour, Barreiro, Garmilla, Birnbaum: "In vivo CAR T cell engineering: design principles and open questions." in: Trends in cancer, (2026) (PubMed).
Greco, Alexander, Del Papa, Müller, Saccardi, Sanchez-Guijo, Schett, Sharrack, Snowden, Tarte, Onida, Sánchez-Ortega, Burman, Castilla Llorente, Cervera, Ciceri, Doria, Henes, Lindsay, Mackensen, Muraro, Ricart, Rovira, Zuckerman, Yakoub-Agha, Farge: "Innovative cellular therapies for autoimmune diseases: expert-based position statement and clinical practice recommendations from the EBMT practice harmonization and guidelines committee." in: EClinicalMedicine, Vol. 69, pp. 102476, (2024) (PubMed).
Julian Pampel, BSc
Content Manager at antibodies-online.com
Creative mind of antibodies-online with a keen eye for details. Proficient in the field of life-science with a passion for plant biotechnology and clinical study design. Responsible for illustrated and written content at antibodies-online as well as supervision of the antibodies-online scholarship program.